Fährt es nur oder fliegt es schon?

Automobil  2 comments

Nicht immer liegt die Schönheit nur im Neuem. Wäre dem so, wären Retro-Trends und Vintage nie so beliebt geworden und kein Mensch hätte je Interesse an Antiquitäten gehabt. Manchmal sind doch genau die für uns heute ungewöhnlichen Formen der Vergangenheit etwas sehr Besonderes, welche sie zu etwas Ungewöhnlichem und Begehrenswerten machen.

So war ich sofort begeistert, als ich dieses “schnuckelige” Gefährt sah. Es handelt sich hierbei um den Rumpler-Tropfenwagen. Kaum erblickt, stellte ich mir die Frage: “Fährt es nur oder fliegt es schon?”

Deutlich sind die Einflüsse aus der Welt der Motorflugzeuge um die Zeit des Ersten Weltkrieges erkennbar. Die Form gleicht einem fallendem Tropfen, wodurch es ein idealer Stromlinenwagen sein sollte und wirklich, auch ein halbes Jahrhundert später musste sich der Wagen, seine Form betreffend, nicht gegen neuer gebaute Autos verstecken. Übrigens wurden bei dieser windschlüpfrigen Karosserieform zum ersten Mal gewölbte Glasscheiben verwendet. Er bot insgesamt gut Platz, der Fahrer vorn saß einzeln, während hinten 4 Personen Platz nehmen konnten.

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Optisch ein wahrer Hingucker, schaffte es der Rumpler-Tropfenwagen aber nicht zum kommerziellen Erfolg. Die technischen Probleme waren zu groß. Der Sechszylindermotor war nicht zuverlässig und die Lenkung leider mangelhaft konstruiert. Auch wurde der anfangs nicht vorhandene Kofferraum bemängelt, doch auch das spätere verbauen eines solchen, rette den Tropfenwagen nicht vor dem Aus.

Hersteller: Rumpler-Werke
Produktionszeitraum: 1921 – 1924
Stufenheck-Limousine
Ottomotoren: 2,3-2,6 Liter (26-37kW)
Länge 4550mm
Breite: 1950mm
Radstand: 2900mm
Leergewicht: 1400kg

 

Gerade einmal 100 Fahrzeuge wurden in Berlin-Johannisthal gebaut, meist nur als Taxis in Berlin eingesetzt. Doch fanden sie immerhin noch Einzug auf die Leinwand, denn Fritz Lang verwendete eine recht große Anzahl dieser Wagen für seinen Film Metropolis als Requisiten, welche jedoch bei den Dreharbeiten mit Absicht zerstört wurden.

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Im Deutschen Technikmuseum und im Deutschen Museum in München finden sich die letzten 2 erhaltenen Fahrzeuge.

Eines davon wurde 1979 nach Wolfsburg gebracht um dort den cW-Wert (Luftwiderstandsbeiwert) im Windkanal zu messen. Beeindruckende 0,28 lautete das Ergebnis, welches einen Luftwiderstand von 0,67 Quadratmetern ergibt. Das heute windschnittigste Serienfahrzeug ist der Mercedes CLA mit einem Wert von 0,22. Dieser Wert wurde nach und nach dank modernster Computerprogramme und zahlloser Windkanal-Tests erreicht, daher kann man vor Edmund Rumpler nur seinen Hut ziehen, denn das stand ihm damals nicht zur Verfügung.

Fotos: © Robert Basic

2 comments to Fährt es nur oder fliegt es schon?

  • Tina  says:

    Wow! Echt ein hübsches Exemplar! Ich mag ja schöne Autos.
    Wie kann man sowas nur zerstören!!!

    Sonnige Grüße aus Bayern und einen schönen ersten Advent!
    Tina

  • Beautygeek  says:

    Ja, eine gute Frage. Ich hätte es wohl auch nicht übers Herz gebracht die Autos zu zerstören, vor allem da es ja wirklich wenige nur waren, welche hergestellt wurden.
    Dir auch einen schönen 1. Advent 🙂

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